
Freitag, 03. September 2010, 01:39:25 Uhr, NZZ Online
David Strohm
In den kommenden Tagen pilgern sie wieder zu Tausenden, die Vertreter der Branche. Ihr Mekka ist die Leistungsschau Swissbau. An der zweitgrössten Messe der Schweiz, die nach dreijährigem Unterbruch wieder in Basel stattfindet, zeigen die Unternehmen der Bauindustrie und verwandter Wirtschaftsbereiche ihre Neuheiten und ihr Können (siehe Box).
Die traditionsreiche Swissbau lockt regelmässig auch eine grosse Zahl von Interessenten, die nicht zu den Fachbesuchern zählen, Hauseigentümer, Bauherren und private Auftraggeber. Von den erwarteten 120 000 Besuchern werden sie wiederum etwa einen Viertel ausmachen.
Zu den Gesprächsthemen an der Messe werden neben den ausgestellten Neuheiten die Befindlichkeit und die Aussichten der Firmen und des Sektors als eines Ganzen gehören. Zurückblicken darf die Bauwirtschaft auf ein vergleichsweise gutes 2009. Von der Krise war bisher nur wenig zu spüren.
«Nach den Hiobsbotschaften aus der Industrie und anderen Wirtschaftszweigen steht die Baubranche im aktuellen Umfeld vergleichsweise gut da», bilanziert die Dachorganisation Bauen Schweiz im «Bauwirtschaftsspiegel». Auch wenn derzeit bedingt durch die Witterung auf den meisten Baustellen die Arbeit ruht, konnten die Baumeister zuletzt frohlocken: «Es wird kräftig weitergebaut.»
Mit Blick nach vorne gehen die Baumeister aber davon aus, dass «die private Nachfrage nach Bauleistungen weiterhin sinken wird». Aufträge der öffentlichen Hand und die staatlichen Konjunkturprogramme werden diese Ausfälle nur temporär über eine gewisse Zeit kompensieren können, glaubt man beim Baumeisterverband.
Als Stützen im Wohnungsbau erweisen sich immerhin die tiefen Zinsen und der Bedarf der Migranten nach adäquaten Unterkünften. Anders als bei Gewerbeliegenschaften ist die Bautätigkeit im Wohnsegment unverändert hoch. Sie erreichte mit zuletzt mehr als 64 000 im Bau befindlichen Einheiten einen neuen Höchststand.
Die Anbieter in der Schweiz stehen dabei in einem harten Preiskampf – untereinander, aber auch mit den in die Schweiz strebenden Firmen aus dem Ausland. Nicht immer können Letztere aber günstiger offerieren: «Die Leistungen von Schweizer Bauunternehmen sind im Vergleich etwa zu deutschen Firmen durchaus konkurrenzfähig, wenn man das Kriterium Qualität berücksichtigt», sagt Alfonso Tedeschi vom Baumeisterverband SBV.
Bauwillige, die jetzt ein Eigenheim planen, könnten vom intensiveren Wettbewerb profitieren. «Es ist zu erwarten, dass die Baupreise durch den harten Konkurrenzkampf weiterhin stärker als die Baukosten sinken werden. Durch die rückläufige Auftragslage im Hochbau wird die Margenerosion der letzten Jahre weiter verschärft», lautet die Klage der Bauwirtschaft, welche die Auftraggeber erfreut. Dass die Preise für Bauleistungen fallen, lässt sich statistisch belegen: 2009 wies der für den Hochbau berechnete (Teil-)Index erstmals seit 2003 eine rückläufige Tendenz aus. Besonders markant war der Preisrückgang im 1. Quartal des letzten Jahres, bevor das Niveau sich wieder stabilisierte. Günstigere Baumaterialien, vor allem Treibstoffe, Metalle und Metallprodukte, spielten für diese Entwicklung eine wesentliche Rolle.
Impulse versprechen sich die Baumeister insbesondere von den staatlichen Förderprogrammen. Vor allem im Bereich Umbauten, wo zahlreiche Anreize zur Aufwertung der Gebäudehülle locken, gibt es erhebliches Potenzial. «Das Investitionsprogramm des Bundes hat einen starken Multiplikatoreffekt ausgelöst», sagen die Analysten von Wüest & Partner, welche die Baukonjunktur im Immo-Monitoring 2010 unter die Lupe genommen haben. Für das laufende Jahr rechnen sie wiederum mit einem Bauvolumen in der Schweiz, das sich gesamthaft «im Bereich der Zehn-Milliarden-Franken-Marke» bewegt. Die Aussicht darauf dürfte auch die Aussteller an der Swissbau beflügeln.
Weit über 1000 Aussteller werden auf der diesjährigen Swissbau erwartet. Sie zeigen in fünf Hallen auf 140 000 m² das Neuste aus den Bereichen Rohbau und Gebäudehülle, Technik und Baustelle, Konzept und Planung sowie Innenausbau. Erstmals präsentiert sich in Basel mit der parallel durchgeführten «Swissbau Real Estate» die Schweizer Immobilienwirtschaft in ihrer ganzen Wertschöpfungskette.
Im Zentrum der vom 12. bis 16. Januar dauernden Grossveranstaltung stehen die Themen Energieeffizienz und Nachhaltiges Bauen. Impulse und Fachwissen zur Standortwahl, der Ökobilanz und zu den Lebenszykluskosten von Gebäuden vermittelt die Sonderschau «Global Building».
Die holzverarbeitende Branche präsentiert an der «Woodstock» ihre Leistungen, die «Themenwelt Bad» widmet sich ganz der Wellness im privaten Umfeld. Dazu bieten die Veranstalter ein umfangreiches Begleitprogramm und zahlreiche Berufswettbewerbe. (dst.) Detailinformationen: www.swissbau.ch