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  • 19. Oktober 2008

    Wer baut, sollte weit vorausdenken

    Wer baut, sollte weit vorausdenken

    Ein Eigenheim sollte auch später noch bewohnbar sein. Von Robin Schwarzenbach

    (Bild: Pat Lüthy/Imagopress)
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    Wenn die Karriere anzieht ab 45 Jahren und sich entsprechend neue finanzielle Möglichkeiten auftun, rückt der Traum vom Eigenheim häufig in Griffweite. Jene Paare und Familien, die sich diesen Wunsch mit aller Konsequenz erfüllen möchten, werden zu Bauherren und planen ihr neues Haus genau nach ihren Vorstellungen – schliesslich soll es ein Werk fürs Leben sein. Vergessen geht dabei oft die Frage, ob sich die eigenen vier Wände auch für die kommenden Jahrzehnte eignen.

    Ein Blick auf die demografische Entwicklung in der Schweiz zeigt, dass Voraussicht beim Bauen angebracht ist. Nach einem Szenario des Bundesamtes für Statistik (BfS) wird der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen bis 2040 von 16% auf 25% steigen. Diese Gruppe würde dannzumal über 1,8 Millionen Menschen zählen. Heute beträgt die Lebenserwartung der 65-Jährigen laut BfS knapp 21 Jahre bei Frauen und gut 17 Jahre bei Männern. Dank einer guten Gesundheitsversorgung werden auch diese Werte weiter zunehmen. Nach Einschätzung von Experten ist jedoch der Bestand an altersgerecht gebauten Wohneinheiten viel zu gering. Und doch bieten sich in der Planungsphase grundsätzliche Überlegungen an, über die man eines Tages sehr froh sein könnte.

    Für alle Generationen

    Da gibt es einmal das Ideal der Ebenerdigkeit. Ein Haus auf einem Niveau, dessen Eingänge, gleich ob von der Garage her, durch den Haupteingang oder vom Garten her, über keinerlei Stufen führen, hat eigentlich nur Vorteile. Weder Einkaufswagen noch Kinderwagen steht ein Hindernis im Weg, und wenn die Bewohner einstmals nicht mehr so gut zu Fuss sein sollten, wird die Mobilität nicht zusätzlich durch anstrengendes Treppensteigen eingeschränkt. Diverse Beratungsstellen betonen denn auch, dass altersgerechtes Bauen immer auch generationengerechtes Bauen bedeute. In der Tat können Schwellen zwischen den Zimmern nicht nur ältere Leute zum Stolpern bringen. Auch herumtollende Kleinkinder tun sich bei solchen Stürzen weh. Freilich ist die Schweiz kein Land, in dem die Grundstückspreise zum Bau von bloss eingeschossigen Wohnhäusern verlocken. Also stellt sich Bauherren, die auch an später denken möchten, die Frage, wie man dereinst vom unteren in den oberen Stock gelangen soll. «Es ist nicht vermessen, neben der Treppe von Anfang an einen Lift in Betracht zu ziehen», sagt Joe Manser, Architekt und Geschäftsführer der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen. Dies sei allemal besser, als sich die Option eines Treppenlifts offenzuhalten.

    Für genügend Bewegungsfreiheit gerade für den Fall, dass eines Tages eine Gehhilfe vonnöten sei, rät Manser zur Mindestfläche im Aufzug von 1,1×1,4 Metern. Ein Lift, der drei Etagen bedient, kostet um die 50 000 Franken zuzüglich der Baukosten für den Schacht. Bewegungsfreiheit und Zugänglichkeit für die ruhigen Lebensjahre zu Hause sind auch gegeben, wenn sämtliche Türrahmen nicht schmaler sind als 80 Zentimeter. Wichtig ist zudem, dass täglich frequentierte Räume wie Badezimmer oder Küche nicht zu eng gefasst werden (siehe Kasten). «Handgriffe und Anti-Rutsch-Vorrichtungen im Bad erhöhen die Sicherheit, müssen aber nicht vom ersten Tag an montiert sein. Eine erhöhte Toilettenschüssel etwa beugt möglichen späteren Anstrengungen vor, ohne von aussen weiter aufzufallen», sagt Lisa Wyss Ribi von der Pro Senectute. Auch schwellenlose Duschen sind sinnvoll.

    Pflege zu Hause

    Weitsicht beim Hausbau kann auch gefragt sein, wenn damit nur einem Teil der Familie gedient ist. Soll die Grossmutter eines Tages beispielsweise mit einem ihrer erwachsenen Kinder und dessen Ehepartner unter einem Dach wohnen, anstatt fortan für mehrere tausend Franken im Monat in einem Heim leben zu müssen, ist es günstig, hierfür ein leicht zugängliches Zimmer im Erdgeschoss vorzusehen, das sich später für die Pflege eignet.

    Allein, ein grundsätzliches Problem beim Planen des Eigenheims bleibt bestehen: Sowohl unter Architekten als auch unter privaten Bauherren ist der Gedanke eines altersgerecht konzipierten Hauses selten der erste. Raumstruktur und Innenausstattung sollen in erster Linie gefallen. Doch vieles, was heute schön ist, kann sich in 20 Jahren als immer weniger praktikabel erweisen.

     

    In der Küche kommt es auf die richtige Anordnung an

    In der Küche kommt es auf die richtige Anordnung an

    Die Küche ist der Raum, in dem die meisten Handgriffe vorgenommen werden. Daher lohnt es sich, beim Architekten und Küchenbauer auf einer möglichst ergonomischen – aus Benutzersicht: kraftsparenden – Placierung der wichtigsten Elemente zu bestehen. Dazu gehört eine überlegte Anordnung der Schubladen und Schränke ebenso wie ein kluger Einbau der elektrischen Geräte. Der Küchenbauer Sanitas Troesch hat hierzu zusammen mit dem Architekten und Gerontologen Felix Bohn ein Merkblatt erarbeitet (s. Internetadressen).

    Altersgerecht bauen heisst, dass die Backofentür geöffnet werden kann, ohne dass man sich dabei bücken muss. Auch Geschirrspüler können leicht erhöht angebracht werden. Neben Herd und Ofen sollte sich eine hitzefeste Fläche befinden, denn das Herumtragen heisser Pfannen stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Sinnvoll ist, die Hauptarbeitsfläche zwischen Abwaschbecken und Kochfeld anzuordnen.

    Voll ausziehbare Schubladen und Schränke mit dem Geschirr für den täglichen Gebrauch werden idealerweise ebenfalls in Griffweite vom Küchenzentrum placiert. So reihen sich die Elemente entsprechend den Arbeitsschritten beim Kochen schön aneinander. Eine Wohnküche würde darüber hinaus angenehm kurze Wege zum Esstisch und wieder zurück aufweisen. Kochfeld, Backofen und alle übrigen Geräte sollten einfach zu bedienen sein. Mit Vorteil achtet man auf klar entzifferbare Anzeigen. Für die Oberfläche der Schränke bietet sich ein heller, nicht aber ein blendender Farbton an. Für jede Küche zwingend ist eine gute Beleuchtung. (RSc.)

    Schweizerische Fachstelle für behindertengerechtes Bauen, www.hindernisfrei-bauen.ch; Fachberatung für altersgerechtes Bauen und Wohnen im Alter, www.wohnenimalter.ch; Age-Stiftung für gutes Wohnen im Alter, www.age-stiftung.ch; Ergonomie in der Küche, www.sanitastroesch.ch/kueche/ergonomie.
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