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  • 5. Juni 2009, NZZdomizil

    Carole Baijings und Stefan Scholten

    Carole Baijings und Stefan Scholten

    Kompromisslos neu und der Tradition verpflichtet

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    Stefan Scholten und Carole Baijings, fotografiert von Koos Breukel. (Bild: www.koos-breukel.com)
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    «Was wir machen, entspricht anscheinend ziemlich genau dem, was die Leute gerade toll finden», sagt die Design-Autodidaktin Carole Baijings.

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    «Truly Dutch», wahrhaft niederländisch, heisst die Ausstellung. Zwischen einem Schrank und einem Klapptisch, die beide irgendwie modern aussehen und irgendwie doch nicht, steht eine zierliche junge Frau und schaut sehr freundlich. Als sie merkt, dass man sich für die etwas eigenartig geformten und wunderhübsch bemalten Ausstellungsstücke interessiert, kommt sie herbei und beginnt zu erzählen. Die junge Frau ist Carole Baijings. Gemeinsam mit Stefan Scholten hat sie die Truly-Dutch-Möbel designt. Seit fast zehn Jahren arbeiten die beiden in Amsterdam zusammen, machen Eigenes und Auftragswerke. Mit immer grösserem Erfolg. Die Autodidaktin, die anders als ihr Partner nicht Design studiert, sondern lange als Regieassistentin beim Film gearbeitet hat, lacht, als sie erzählt, wie gut die Colour Plaids, die unter anderem im Zürcher Vitra Showroom erhältlich sind, sich verkaufen. Eigentlich, zeigt Carole Baijings sich von diesem positiven Echo überrascht: eigentlich hätte sie gedacht, dass die Farben den meisten Menschen zu schrill seien. Und: «Was wir machen entspricht anscheinend ziemlich genau dem, was die Leute gerade toll finden».

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    . Bilderstrecke: Scholten&Baijings
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    Stefan Scholten und Carole Baijings machen das, was im Moment so ziemlich alle machen: Alte Handwerkstechniken wieder aufleben lassen nämlich. In Gestalterateliers wird zur Zeit gesägt und geschreinert, gefärbt, gebeizt, gehäkelt, gestrickt und gestickt, als gelte es, den gesamten Weltvorrat an Weidenruten, Schurwolle, Treibholz, Flachs und Lehm binnen kürzester Zeit «zeitgemässem Design» (was immer dies auch heisst)  zuzuführen.

    Doch fast keiner versteht es so gut wie Stefan Scholten und Carole Baijings, alte Geschichten so kompromisslos neu nachzuerzählen. Sie weben in Neonfarben, übersetzen alte Flechtmuster in graphische Dessins und nehmen traditionelle Bauernmöbel zu Vorbildern für reduzierte «Kunst-Stücke». Anstatt im Stillen vor sich hin zu werkeln und mit Fertigungstechniken herumzuprobieren, spannt das Duo gerne mit kompetenten Partnern zusammen: So werden die Colour Plaids in der Traditionsmanufaktur de Ploeg gewoben, die Kristall-Gefässe von Royal Leerdam gefertigt, und Ideen haben ihren Ursprung des öfteren in den Sammlungen und Archiven des Zuiderzee Museums in Enkhuizen bei Amsterdam. Neben Kunsthandwerk, Alltagsobjekten, Mode und vorwiegend niederländischer Malerei aus allen Jahrhunderten hat man in diesem Haus auch dem aktuellen einheimischen Designschaffen viel Platz eingeräumt. Stücke von Studio Job, Christien Meindertsmaa und sogar Couture-Kleider von Viktor&Rolf hat das Museum bereits angekauft, und von Scholten&Baijings befinden sich gleich mehrere Werke, Kristall-Gefässe und Stücke aus der «Willow Wood»- und der «Truly Dutch»-Kollektion zum Beispiel, in der Zuiderzee-Sammlung. Hat das Traditionshaus in Scholten&Baijings etwa seine Lieblingsdesigner gefunden? Das wäre nicht verwunderlich, denn die zwei sympatischen Amsterdamer machen es einem leicht, sie und ihre bunten Designs gern zu haben.

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