
Freitag, 03. September 2010, 01:34:43 Uhr, NZZ Online
Zu Besuch in London
rkw
Sie ist Inderin, er ist Schotte. Sie wird bei ihrer Arbeit und in ihrer Wahrnehmung stark von der Kultur und Tradition ihres Heimatlandes beeinflusst, seine Wurzeln sind im Industriedesign. Sie sieht dunkel aus, tempramentvoll. Er wirkt eher linkisch, blass, etwas steif. Irgendwie schottisch halt... Wenn zwei so verschieden sind wie Nipa Doshi und Jonathan Levien, dann sollten sie wohl besser nicht zusammenarbeiten, könnte man denken. Und zusammen wohnen sollten sie schon gar nicht.
Doch Nipa Doshi und Jonathan Levien wären nicht Nipa Doshi und Jonathan Levien, wenn sie sich jemals hätten beinflussen oder beirren lassen von dem, was andere Leute über sie denken oder sagen. Die Inderin und der Schotte sind mittlerweile seit fast 10 Jahren ein Paar. Und ein äusserst erfolgreiches noch dazu, beruflich und privat. Mit Stücken wie «Charpoy» oder dem Sofa «My Beautiful Backside» für den Hersteller Moroso haben sie sich international einen Namen gemacht. «Die Globalisierung wird oft für die Zerstörung von Bräuchen und Kulturen verantwortlich gemacht», sagt Nipa: «Doch wir sehen in ihr auch eine Chance, gegen die Geichförmigkeit vorzugehen, sich das Beste aus verschiedenen Welten herauszupicken und zu kombinieren.» Das Beste herauspicken, die verschiedene Aspekte miteinander zu kombinieren, verschiedene Ansätze und Denkweisen zu vereinen, ohne dabei ein Element zu dominant in den Vordergrund zu stellen: Dies ist wohl eines der Erfolgsgeheimnisse der doshi-levienschen Zusammenarbeit. Doch damit nicht genug. Nipa Doshi und Jonathan Levien scheinen wirklich hinausgekriegt zu haben, wie das mit dem schweirigen Ding namens «Zu Zweit» erfolgreich funktioniert. Sie arbeiten nämlich nicht nur zusammen, sondern sie leben auch miteinander. Und erst noch im selben Haus, in dem sich ihr gemeinsames Atelier befindet. Wohn- und Arbetsfläche drängen sich auf gerade Mal 100 Quadratmeter.
Nipa Doshis und Jonathan Leviens Refugium ist ein Backsteinbau aus dem späten 19. Jahrhundert, in dem sich einst eine Druckerei befand. Im Erdgeschoss befindet sich das Atelier, in der Etage drüber liegen die Wohnräume.
Beim Einrichten scheint das Paar mit den gleichen Prinzipien erfolgreich zu sein wie beim Arbeiten: «Von allem etwas und alles nebeneinander. Es ist ein buntes Sammelsurium an Dekoobjekten und Möbeln verschiedener Epochen und Stile, das sich in den nicht allzu grossen Räumen drängt, stapelt, reiht. «Wir waren eigentlich nie bewusst Möbel kaufen, nur ab und zu einmal etwas in einem kleinen Geschäft», sagt Nipa, «die Einrichtung ist langsam mit uns und unserer Beziehung gewachsen. Und wächst immer weiter, weil wir ständig Dinge anschleppen, in die wir uns verlieben und die wir für unsere Arbeit brauchen».
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