
Dienstag, 21. Mai 2013, 14:47:33 Uhr, NZZ Online
Sieben Jungdesigner, fünf Lampen
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Den Bieler Industriedesigner Florian Hauswirth haben wir in einem spannenden Moment erwischt: gemeinsam mit dem Hersteller Foundry ist er gerade dabei, «Loppa», seinen Entwurf eines papiernen Lampenschirms, so auszuarbeiten, dass der Schritt vom Prototypen zum seriell herstellbaren Produkt möglich wird. Wenn alles klappt, wird «Loppa» im Januar an der Möbelmesse in Köln ihren Auftritt haben und ab dann im Verkauf sein. Doch bis dahin gilt es, eine Vielzahl technischer Details zu definieren. «Es besteht ein Dschungel von Normen und Prüfstellen, die sehr harte Richtlinien verfolgen», erzählt Hauswirth. «Elektrizität, Wärme und die damit verbundene Brandgefahr müssen genau getestet werden.»
Neben den besonderen Anforderungen, die an eine Lampe betreffend der Sicherheit gestellt werden, birgt der Entwurf einer Lichtquelle aber auch gestalterische Kniffe, die andere Industrieprodukte nicht mit sich bringen. «Von der Funktion her betrachtet ist eine Leuchte während den hellen Tagesstunden ein nutzloses Objekt. Eine Lampe muss aber im gelöschten Zustand genauso interessant sein, wie wenn sie leuchtet», meint Olivier Sottas. Geleitet von diesen Überlegungen hat der Designer die Stehleuchte «Plié» entwickelt, deren Form auf die ausgeklügelte Faltung eines einzigen rechteckigen Papierbogens zurückgeht. «Ich wollte aus einem flächigen Material einen Körper gestalten, der ohne zusätzliche Konstruktionshilfen eine eigene Stabilität erlangt», so Sottas.
Bestimmend für die Entwicklung von «Plié» war zudem das Ziel, eine ökologisch vertretbare, energiesparende Leuchte aus nachhaltigen Materialien zu entwerfen. Für den Fuss der Lampe verwendete Sottas Birkensperrholz, beim Schirm entschied er sich für Papier, da dieses die kühle Lichtfarbe der Energiesparlampe zu filtern und somit ein Stück weit «aufzuwärmen» vermag. Ein bewusster Umgang mit Ressourcen spielte auch für Florian Hauswirth eine Rolle, als er «Loppa» im Rahmen von Postfossil entwickelte: Das Programm der Plattform, die Hauswirth vor zwei Jahren zusammen mit neun anderen jungen Designern gründete, besteht in der Entwicklung von Alltagsobjekten für ein Zeitalter nach der extensiven Verwendung von Erdöl. Angestrebt wird ein Umdenken im Umgang mit Rohstoffen, aber auch eine Veränderung der Gewohnheiten im Gebrauch alltäglicher Produkte.
Bewegliche Konstruktionen und einfache Fackeln
Experimente mit Materialien stehen bei Florian Hauswirth oft am Beginn eines Entwurfes, was der ausgebildete Industriedesigner auf seine frühere Tätigkeit als technischer Modell- und Prototypenbauer zurückführt. Sebastian Däschle hingegen, der unter dem Kölner Label dua auftritt, das er im vergangenen Sommer gemeinsam mit dem Diplomkaufmann Alexander Esslinger gründete, griff beim Entwurf der «Bewegeleuchte» offensichtlich auf seine Erfahrungen als Bühnenbildner zurück. Nach verschiedenen Studien dazu, wie sich Menschen in einem Wohnraum bewegen, entwickelte er eine Leuchte, die dank Gegengewichten in der Lage ist, sich mit ihrem Nutzer fei durch den Raum zu bewegen.
Im Gegensatz zur Konstruktion Däschles, die erst ab einer gewissen Raumgrösse Sinn macht und in Kleinserien in Deutschland von Hand gefertigt wird, zeichnet sich die Arbeit des Belgiers Sylvain Willenz durch einen bemerkenswerten Pragmatismus aus. Willenz stellte sich die Aufgabe, eine Lampe zu entwerfen, die sich einfach herstellen lässt und dank niedrigen Produktionskosten für jedermann erschwinglich ist. Dies, so Willenz, sei ihm mit «Torch» gelungen, einer Serie von drei Hängeleuchten aus gegossenem Plastik, die sich sowohl einzeln wie auch als Strauss von 10 oder 20 Stücken hängen lassen. Dass seine Lampe industriell produziert werden sollte, war für Willenz dabei von Anfang an klar: «Ich wollte wirklich etwas machen, das von einer Maschine hergestellt wird, dies fasziniert mich. Ein richtiges industrielles Produkt.»
«Die besten Objekte sind für mich jene, die am wenigsten ‚gestaltet’ aussehen; die aussehen, als wären sie seit immer dort gewesen, die aber diesen kleinen Dreh an sich haben, der neu ist», meint Willenz. Die drei Modelle von «Torch», deren Form an einfache Scheinwerfer erinnern, lassen sich durchaus als solche Objekte verstehen. Freude am «kleinen Dreh» in der unaufgeregten Form scheinen auch der Belgier Elric Petit, der Franzose Augustin Scott de Martinville und Grégoire Jeanmonod aus der Schweiz zu haben, die seit 2004 gemeinsam unter dem Namen Big-Game arbeiten. Die Herausforderung beim Entwurf einer Lampe sehen sie ähnlich wie Olivier Sottas darin, «ein schönes Objekt zu machen, das zugleich schönes Licht gibt. Beides in einem hinzukriegen, ist keine leichte Sache». Und wie dies doch erreicht werden könnte? «Wir mögen einfache, um das Leuchtmittel herum geformte Lampen», erklärt Augustin und nennt als Beispiel hierfür die legendäre «Parentesi» von Achille Castiglione oder das Modell «U-Line» von Maarten van Severen.
Wer nun «Metal Work» von Big-Game vor sich hat, sieht, dass die drei ihre Vorbilder genau studiert haben. «Metal Work» ist eine Weiterentwicklung der handgefertigten, raumfüllenden Leuchte «Wood Work» aus Balsaholz, die 2007 als Einzelstück für die Ausstellung «la liseuse – Pix Monica Danet» in der Galerie Kreo in Paris entstand. Für die kleine Version, die industriell produziert werden soll, verwendeten Big-Game herkömmliche Metallprofile mit einem Querschnitt von 3 auf 3 cm, in die eine Leuchtstoffröhre eingelassen ist. Alle weiteren Komponenten finden ebenfalls im Metallprofil Platz.