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  • 25. Februar 2010, NZZdomizil

    Industrielle Bourgeoisie

    Industrielle Bourgeoisie

    Gemütliche Riesenwohnung in Zürich

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    (Bild: Bruno Helbling)
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    Der Konzepter und diplomierter Hotelier Stéphane Houlmann hat aus der riesigen Halle einer alten Buchbinderei mitten in Zürich ein unkonventionelles Zuhause geschaffen, das die industrielle Atmosphäre des Ortes mit dem Stil eines grossbürgerlichen Apartments verbindet.

    Mirko Beetschen

    Besucher seien oft überrascht, wenn sie sein Zürcher Zuhause betreten, erzählt Stéphane Houlmann. «Es entspricht ganz einfach nicht ihren Vorstellungen eines Lofts. Sie haben dieses Bild von der kühlen, weissen Industriehalle mit modernen Möbeln im Kopf», sagt er. Doch das ist nicht Houlmanns Stil. Sein Loft strahlt Wärme und Geborgenheit aus. Zahllose Leuchten, Teppiche und gemütliche Sitzmöbel schaffen einladende Wohnecken und die Atmosphäre eines bourgeoisen Appartements.

    Ein altes, noch nicht renoviertes Industriegebäude zu finden, ist in Zürich fast unmöglich. Es war denn auch purer Zufall, der Stéphane Houlmann von der alten Buchbinderei hören liess. Als er das gelbe Back-steingebäude an einer ruhigen Nebenstrasse an der Sihl zum ersten Mal besuchte und die grosse orangefarbene Halle betrat, wusste er, dass er hier wohnen wollte. «Es roch darin nach Papier und Büchern», erinnert er sich. Mit ihrem fast quadratischen Grundriss, der Höhe von rund sechs Metern und den 39 Dachfenstern war die Halle, aus der man lediglich die alten Maschinen abtransportiert hatte, perfekt. Das bereits existierende Bad mit WC und Dusche in einem kleinen Anbau sowie die zentrale Lage der Fabrik, zehn Fahrradminuten vom See entfernt gaben den definitiven Ausschlag für das Wohnabenteuer.

    Eine Woche Arbeit, die tatkräftige Unterstützung seiner Freunde und der Einsatz professioneller Putzmaschinen machten den Raum, in welchem früher Bücher gebunden wurden, in kurzer Zeit bewohnbar. Da der Mietvertrag von beschränkter Dauer war, versuchte Stéphane Houlmann, die Kosten auf einem Minimum zu halten. Der alte, mit Ölflecken übersäte Betonboden erhielt einen grauen Anstrich. Dunkle MDF-Platten fügte der Bewohner zu «Inseln» zusammen, welche die unterschiedlichen Wohnfunktionen repräsentieren: In der Mitte des Raumes, gesäumt von vier Metallsäulen, befindet sich die zentrale Wohnzone. Die Rückwand der Halle – hinter welcher sich übrigens nackter Fels befindet – wurde dunkelbraun, fast schwarz gestrichen. Hier befinden sich eine kleine Teelounge und das «Gästezimmer». Auf der Flussseite hat der Bewohner sein «Schlafzimmer» und einen Arbeits- und Bibliotheksbereich platziert. Die Küche schliesslich besteht aus einem frei stehenden hölzernen Kubus, den ein befreundeter Schreiner innerhalb weniger Stunden vor Ort baute.

    «Der schwierigste Teil stand mir allerdings noch bevor», sagt Stéphane. «Am Umzugstag hievten wir meine Sachen in dem alten Warenlift hoch, und plötzlich sah ich mich mit meinem ganzen Hab und Gut auf einem Haufen konfrontiert.» Der neugeborene Loftbewohner machte sich daran, seine Möbel, moderne Klassiker und zahlreichen Kunstobjekte hin- und herzurücken, und war immer wieder mit dem Prob-em des mangelnden Stauraums konfrontiert, schliesslich wollten Kleider, Bücher, Bettwäsche, Geschirr und so weiter verräumt werden. Glücklicherweise konnte er schliesslich einen kleinen Werkraum gleich neben der Halle dazumieten.

    Heute präsentiert sich der Loft als grosszügiges Apartment mit einem Einrichtungsmix aus modernen und antiken Möbeln, puristischem und verspieltem Design. Dank ihrer Grosszügigkeit kann die alte Halle vielseitig bespielt werden. So fanden hier schon diverse Ausstellungen und Partys statt. Die dunkle Wand hat sich dabei als perfekter Hintergrund für Kunst- und Fotoinstallationen erwiesen. Als leidenschaftlicher Koch hat Stéphane Houlmann den Loft zwischenzeitlich auch in einen Mittagstisch verwandelt und seine Gäste mit Suppen, hausgemachtem Brot und Kuchen verwöhnt. Für den diplomierten Hotelier, der zusammen mit Isabelle Hofstetter das Berner Boutiquehotel Belle Epoque geführt hatte, ist der Loft die perfekte Location, um innovative Konzepte auszuprobieren. In seiner neuen Firma, der Bergdorf AG, schreibt er unter anderem Gastronomie- und Hotelkonzepte, berät Firmen in Kommunikationsfragen und produziert mit seinem Geschäftspartner internationale Wohn- und Architekturreportagen.

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